Lidtumoren

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Lidtumoren

Es wird zwischen gutartigen (benignen) Tumoren, Krebsvorstufen (Präkanzerosen) und bösartigen (malignen) Tumoren unterschieden. Klinische Befunde geben entscheidende Hinweise, ob eine Malignität vorliegt. Beispiele wären: Größe, Wachstum, Gefäßwachstum (Teleangiektasien), Geschwürbildung (Ulzeration), Wimpernverlust. Absolute Sicherheit für das Vorliegen eines malignen Prozesses gibt jedoch nur die histopathologische Aufarbeitung des Präparats, die somit als Methode der Wahl gilt. In den meisten Fällen erfolgt eine Lidrekonstruktion nach Tumorentfernung als entweder ein- oder zweizeitiges Verfahren nach histologisch tumorfreier Sanierung.

Die 5 wichtigsten malignen Tumoren der Lider sind:

  • das Basaliom
  • das Plattenepithelkarzinom,
  • das Talgdrüsenkarzinom,
  • das Merkelzellkarzinom,
  • und das maligne Melanom.

Basaliom

Der mit Abstand häufigste maligne periorbitale Tumor ist das Basaliom mit ca. 90% der Fälle (Holbach et al. 2002, Margo et al. 1993). Es entsteht meistens am Unterlid (55%) gefolgt vom medialen Kanthus (30%), dem Oberlid (10%) und dem lateralen Kanthus (5%) (Cook et al. 1999).
Die drei wichtigsten Formen sind:

  1. das noduläre Basaliom.
  2. das noduloulzerative Basaliom (Ulcus rodens)
  3. das sklerosierende Basaliom (Morphea).


Das noduläre Basaliom manifestiert sich meist als erhabener Tumor mit gut definierten Rändern und kann in eine ulzerative Form übergehen. Im Gegensatz dazu zeigt das Basaliom vom Morphea-Typ typischerweise keine Ulzeration und schlecht definierte Grenzen, es ist somit schwierig klinisch die genaue Ausbreitung anzugeben. Das Basalzellkarzinom ist eine der häufigsten Hauttumoren bei hellhäutigen Menschen (Roewert-Huber et al. 2007), mit steigender Tendenz. Risikofaktoren sind u.a. seltene genetische Krankheiten wie das Gorlin-Goltz-Syndrom (0,7% aller Basaliome) und am häufigsten die UV-Strahlung (Brash 1997, Lo Muzio et al. 1999). Normalerweise sind Erwachsene betroffen, Basaliome können aber auch in seltenen Fällen bei jüngeren Patienten auftreten (Christenson et al. 2005, Bakos et al. 2011). Therapie der Wahl ist die chirurgische Resektion unter histologischer Kontrolle. Neuere Studien zeigen einen positiven Effekt bei der Therapie des Basalioms mit Vismodegib bei Patienten, bei denen eine chirurgische Therapie nur schwer möglich ist von Hoff et al. 2009, Sekulic et al. 2012).

Plattenepithelkarzinom

Das Plattenepithelkarzinom macht ca. 5% aller malignen Lidtumoren aus (Doxanas et al. 1987). In einigen Studien wird das Plattenepithelkarzinom als zweithäufigster maligner Tumor nach dem Basaliom bezeichnet. Das Plattenepithelkarzinom kann aus einer vorbestehenden aktinischen Keratose, einem Morbus Bowen, einem Keratoakanthom, einer Strahlendermatitis oder de novo entstehen. Am häufigsten manifestiert es sich am Unterlid, seltener am Oberlid und im Bereich des medialen Kanthus (Thosani et al. 2008). Rund 10-25% der invasiven Plattenepithelkarzinome metastasieren in die regionalen Lymphknoten, in der Regel in die präaurikulären Knoten, die submandibulären oder die submentalen Knoten (Thosani et al. 2008). Die Standardtherapie ist die histologisch kontrollierte Resektion, wobei Studien gezeigt haben das mit 5-Fluorouracil Frühformen des Plattenepithelkarzinoms erfolgreich therapiert werden können (Sharkawi et al. 2011).

Talgdrüsenkarzinom

Das Talgdrüsenkarzinom stammt aus den Meibom-Drüsen, den Zeis-Drüsen oder aus den Drüsen der Karunkel und macht ca. 0,5% bis 5% aller Karzinome am Augenlid in den Vereinigten Staaten aus. Am häufigsten ist das Oberlid betroffen, weil hier die meisten Meibom-Drüsen lokalisiert sind, gefolgt vom Unterlid und dem medialen Kanthus (Wang et al. 2013, Wali et al. 2010).

Talgdrüsenkarzinome treten am häufigsten bei Frauen zwischen 60 und 70 Jahren auf (Dores et al. 2008). Wegen seiner Ähnlichkeit mit gutartigen entzündlichen Läsionen werden Talgdrüsenkarzinome oft fehldiagnostiziert (Wang et al. 2013).

Merkelzellkarzinom

Das Merkelzellkarzinom ist ein seltener aggressiver neuroendokriner Tumor der Haut, der häufig bei Erstdiagnose Lymphknotenmetastasen aufweist. Der Tumor tritt vor allem bei älteren kaukasischen Patienten auf und ist häufiger bei immunsupprimierten Personen zu finden. Klinisch erscheint das Merkelzellkarzinom in der Regel wie ein kleines rot-violette Knötchen, meist auf Sonne exponierten Stellen wie Kopf, Hals oder Extremitäten, und ist oft nicht zu unterscheiden von anderen Hautkrebsarten (Weedon 2010). Die Therapie der Wahl beim Merkelzellkarzinom ist die chirurgische Resektion und die Strahlentherapie (Foote et al. 2010).

Malignes Melanom

Das maligne Melanom stellt 1% der malignen Tumoren des Augenlides dar. (Shields et al. 1999, Cook et al. 2001). Augenlid-Melanome machen weniger als 1% aller kutanen malignen Melanomen aus (Rodriguez-Sains et al. 1999). Auch wenn Melanome des Augenlids bei afroamerikanischen Patienten (Ajaiyeoba 1993) beschrieben worden sind, treten sie fast ausschließlich bei Kaukasiern auf  (Shields et al. 1999).

In den letzten Jahrzehnten ist in den meisten westlichen Ländern die Häufigkeit von Hautmelanomen bei beiden Geschlechtern gestiegen (Stang et al. 2003).

Das Unterlid ist in der Regel häufiger als das Oberlid betroffen, gefolgt vom lateralen und medialen Lidwinkel (Vaziri et al. 2002).       
Drei Arten des primären kutanen Melanoms können sich am Augenlid manifestieren: Lentigo maligna, das superfiziell spreitendes Melanom und das noduläre Melanom (Shields et al. 1999). Als wichtigster Risikofaktor für die Entstehung des Melanoms gilt UV-Strahlung.

Die Therapie der Wahl ist die histologisch kontrollierte Resektion (Vaziri et al. 2002, Dhawan et al. 1990, Hill et al. 1999).